22. Oktober 2026
Trichoderma harzianum: Was ist das und wie wird es angewendet?

Life Science aus Kronach: Vitalpilze, Laborchemikalien und Gewebekultur. 100of100 Science & Startups Award Gewinner 2025.

Bodenpilz, Mykorrhiza-Unterschied, Einordnung und Kauftipps

Trichoderma harzianum taucht in Gartenforen, Fachartikeln und Online-Shops auf, oft mit großen Versprechen und kleinem Kontext. Dieser Beitrag erklärt sachlich, was der Pilz ist, wo er lebt, wie er sich von Mykorrhiza unterscheidet, worauf man beim Kauf achten sollte und was bei der Anwendung wichtig ist.

Zwei Wurzelballen mit Jungpflanzen in den Händen, GrayZone Labs

Was ist Trichoderma harzianum?

Trichoderma harzianum ist ein fadenförmiger Schlauchpilz (Ascomycet). Die Gattung kommt in nahezu allen Böden vor und besiedelt auch Pflanzenwurzeln. Ökologisch ist sie vor allem durch ihre Konkurrenz mit anderen Mikroorganismen bekannt: Sie kann andere Pilze parasitieren und mit ihnen um Nährstoffe konkurrieren.

Die Gattung Trichoderma wird seit Jahrzehnten erforscht. Untersucht werden unter anderem ihre Stoffwechselprodukte (Sekundärmetabolite), ihre Konkurrenz zu anderen Pilzen und ihre Wechselwirkung mit Pflanzenwurzeln im wurzelnahen Bereich, der Rhizosphäre. Einzelne Stämme sind dabei sehr verschieden. Aussagen über „den“ Trichoderma lassen sich deshalb nie pauschal auf jedes Produkt übertragen.

Trichoderma und Mykorrhiza: der Unterschied

Beide Begriffe fallen oft zusammen, meinen aber verschiedene Dinge.

  • Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen Pilz und Pflanzenwurzel. Der Pilz erhält Zucker von der Pflanze und vergrößert im Gegenzug deren Aufnahmefläche für Nährstoffe wie Phosphat. Die häufigste Form, die arbuskuläre Mykorrhiza, kommt bei rund 80 Prozent der Landpflanzen vor.
  • Trichoderma ist dagegen kein typischer Symbiont, sondern ein frei im Boden lebender Pilz, der auch auf Wurzeln siedeln kann.

Bodenhilfsstoff, Biostimulans oder Pflanzenschutzmittel?

Diese Einordnung ist rechtlich wichtig und für Käufer ein guter Prüfstein.

  • Pflanzenschutzmittel dürfen nur mit Zulassung nach der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 verkauft werden. Wer verspricht, Schadpilze zu bekämpfen oder Krankheiten vorzubeugen, bewegt sich in diesem Bereich.
  • Pflanzen-Biostimulanzien sind nach der EU-Düngeprodukteverordnung (EU) 2019/1009 eine eigene Produktgruppe. Sie dürfen sich ausschließlich auf bestimmte Merkmale beziehen, etwa die Nährstoffnutzung, und müssen ihre Wirkung belegen.
  • Bodenhilfsstoffe werden in Deutschland nach nationalem Düngerecht vertrieben. Sie dienen der Pflege des Bodens und nicht dem Schutz der Pflanze.

Unser Trichoderma-Produkt ist ein Bodenhilfsstoff. Es ist kein Pflanzenschutzmittel und ersetzt keine Pflanzenschutzmaßnahmen. Seriöse Anbieter machen genau diese Einordnung transparent.

Anwendung: was man allgemein wissen sollte

Konkrete Mengen gehören auf die Verpackung des jeweiligen Produkts und nicht in einen allgemeinen Ratgeber, denn sie hängen von Stamm, Sporenzahl und Formulierung ab. Einige Grundsätze gelten aber fast immer:

  • Die Angaben des Herstellers beachten, auch zur Ausbringung (zum Beispiel über das Gießwasser).
  • Angesetzte Mischungen zeitnah verwenden, da lebende Sporen keine lange Standzeit vertragen.
  • Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. Bei unserem Produkt sind das 4 bis 8 Grad, nach dem Öffnen innerhalb von sechs Monaten verbrauchen.
  • Staub vermeiden und nach dem Umgang die Hände waschen. Sporenstaub kann bei empfindlichen Personen die Atemwege reizen.

Trichoderma selber machen: sinnvoll?

Das Stichwort „selber machen“ wird oft gesucht. Theoretisch lässt sich Trichoderma auf Substraten vermehren. In der Praxis spricht einiges dagegen: Ohne Labor-Hygiene kommt es leicht zu Verunreinigungen mit anderen Pilzen oder Bakterien, der Stamm ist nicht gesichert, und die Sporenmenge lässt sich nicht kontrollieren. Wer gleichbleibende Qualität will, greift deshalb meist zu einem fertigen Produkt mit Chargenangabe.

Trichoderma kaufen: worauf achten?

  • Art und Stamm: Ist Trichoderma harzianum genannt und der Hersteller erkennbar?
  • Sporenangabe: Gibt es eine nachvollziehbare Zahl, und wird sie als Herstellerangabe gekennzeichnet?
  • Charge und Haltbarkeit: Sind Chargennummer und Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben?
  • Lagerhinweise: Lebende Sporen brauchen passende Lagerung. Fehlen Angaben, ist Vorsicht angebracht.
  • Einordnung und Sprache: Seriöse Produkte nennen klar, was sie sind. Wirkversprechen wie „bekämpft Schädlinge“ oder garantierte Ertragssteigerungen sind ein Warnzeichen.

Unser Produkt Trichoderma harzianum 50 g ist ein Bodenhilfsstoff mit lebenden Sporen (laut Hersteller 12 Millionen keimfähige Sporen pro Gramm), hergestellt und abgefüllt in Deutschland und ohne gentechnisch veränderte Organismen.

Häufige Fragen

Ist Trichoderma harzianum ein Pflanzenschutzmittel?

Nein, nicht ohne entsprechende Zulassung. Unser Produkt ist ein Bodenhilfsstoff und kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel.

Was ist der Unterschied zu Mykorrhiza?

Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen Pilz und Wurzel. Trichoderma ist ein frei lebender Bodenpilz, der auch Wurzeln besiedeln kann.

Wie wird Trichoderma angewendet?

Nach den Hinweisen auf der Verpackung, häufig über das Gießwasser. Angesetzte Mischungen sollten zeitnah verwendet werden.

Wie lagert man Trichoderma?

Kühl, trocken und lichtgeschützt. Bei unserem Produkt bei 4 bis 8 Grad Celsius.

Kann man Trichoderma selbst vermehren?

Das ist möglich, aber anfällig für Verunreinigungen und schwer zu kontrollieren. Für gleichbleibende Qualität sind fertige Produkte mit Chargenangabe die bessere Wahl.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ist keine Beratung zu Pflanzenschutz oder Anbau.

Quellen

Contreras-Cornejo H. A. et al., „Ecological functions of Trichoderma spp. and their secondary metabolites in the rhizosphere: interactions with plants“, FEMS Microbiology Ecology 92(4), fiw036, 2016; Wikipedia, „Trichoderma harzianum“; Spektrum Lexikon der Biologie, „Mykorrhiza“; topagrar, „Pflanzen-Biostimulanzien: So werden sie rechtlich eingeordnet“; Verordnung (EU) 2019/1009 (Düngeprodukte); Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 (Pflanzenschutzmittel).


Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Therapie.

Autor: Ing. Luca Finazzo, M.Sc. Biotechnologie

               (Experte für Heilpflanzen und Pilze)