GrayZone Labs · Wissen & Laboranalytik

Analysenzertifikate
lesen.
Qualität verstehen.

Ein Certificate of Analysis macht Laborergebnisse sichtbar. Doch was bedeuten die Zahlen wirklich? Erfahre, wie du Analysenzertifikate von Vitalpilzprodukten einordnest – von der Chargennummer bis zum Beta-Glucangehalt.

Lesebeispiel · kein echter Prüfbericht

Certificate
of Analysis

Welche Probe? Produkt & Charge
Was wurde geprüft? Parameter & Methode
Was wurde gemessen? Ergebnis & Einheit
Wie ist es einzuordnen? Bezugsbasis & Bewertung
Eine Zahl wird erst aussagekräftig, wenn klar ist, wofür sie steht und wie sie ermittelt wurde.
01 / Die Grundlagen

Ein Prüfbericht.
Kein pauschales Gütesiegel.

COA steht für Certificate of Analysis, auf Deutsch Analysenzertifikat. Es dokumentiert Untersuchungsergebnisse einer bezeichneten Probe.

Ein COA kann vom Hersteller oder einem Labor erstellt werden. Ein Herstellerdokument kann Ergebnisse mehrerer Prüfungen zusammenfassen. Der Originalbericht eines Labors beschreibt dessen konkrete Untersuchungen.

Entscheidend ist deshalb: Wer hat das Dokument ausgestellt, welche Probe wurde untersucht und welche Prüfungen wurden tatsächlich durchgeführt?

02 / Erst zuordnen, dann vergleichen

Passt das Zertifikat
zu deinem Produkt?

Bevor du einzelne Zahlen bewertest, prüfe diese vier Punkte. Sie bestimmen, wie aussagekräftig der Bericht für dein Produkt ist.

01 / Produkt & Charge

Die Chargennummer muss passen.

Produktname und Chargen- oder Losnummer müssen zur Verpackung passen. Ein Musterzertifikat oder ein Bericht einer anderen Charge belegt die Werte deines Produkts nicht.

02 / Probenbeschreibung

Rohstoff oder Endprodukt?

Pilzpulver, Trockenextrakt und abgefüllter Flüssigextrakt sind unterschiedliche Proben. Ein Rohstoffwert lässt sich nicht unverändert auf ein verdünntes oder weiterverarbeitetes Produkt übertragen.

03 / Datum & Probenahme

Der Weg der Probe zählt.

Achte auf Probenahme, Probeneingang, Prüfzeitraum und Berichtsdatum. Wer hat die Probe ausgewählt? Eine eingesandte Probe ist nicht automatisch eine unabhängige, repräsentative Stichprobe der gesamten Charge.

04 / Labor & Methode

Kompetenz muss konkret sein.

Laborname, Berichtsnummer und Prüfverfahren sollten nachvollziehbar sein. Bei einer Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 zählt der konkrete Geltungsbereich. Ein Logo allein zeigt nicht, ob die betreffende Prüfung davon erfasst ist. [1]

03 / Inhaltsstoffe verstehen

Polysaccharide sind nicht
automatisch Beta-Glucane.

Polysaccharide sind eine große Gruppe von Kohlenhydraten. Dazu gehört auch Stärke. „30 % Polysaccharide“ bedeutet deshalb nicht „30 % Beta-Glucane“.

Die Messgröße

Was genau wurde bestimmt?

Gesamtpolysaccharide, Gesamtglucane, Alpha-Glucane und Beta-Glucane sind unterschiedliche Angaben. Vergleiche nur Werte, die dieselbe Messgröße beschreiben.

Die Methode

Passt sie zur Probe?

Ein verbreitetes Verfahren ermittelt Beta-Glucane als Differenz aus Gesamtglucanen und Alpha-Glucanen. Methode, Version und Probenzusammensetzung beeinflussen die Vergleichbarkeit. [2]

Die Bezugsbasis

Prozent wovon?

Ein Wert auf Trockenmassebasis beschreibt nicht automatisch den Anteil im flüssigen Produkt. Prüfe, ob sich das Ergebnis auf Trockenmasse oder auf das Produkt im Verkaufszustand bezieht.

Was sagen Alpha-Glucane aus?

Ein erhöhter Wert kann Anlass sein, Stärke, Trägerstoffe oder mitverarbeitetes Kultursubstrat genauer zu betrachten. Allein beweist er keine Verfälschung.

Was bedeutet „10:1“?

Ein Extraktionsverhältnis beschreibt ein Mengenverhältnis, dessen Definition erklärt werden muss. Es ersetzt keinen gemessenen Inhaltsstoffgehalt und lässt sich nicht direkt in einen Beta-Glucanwert umrechnen.

04 / Belastungen prüfen

Was wurde untersucht?
Was bleibt offen?

Ein Inhaltsstoffwert sagt nichts über mögliche Verunreinigungen aus. Welche Prüfungen relevant sind, hängt von Herkunft, Pilzart, Verarbeitung und Produktform ab.

Elemente & Schwermetalle

Achte auf einzeln ausgewiesene Ergebnisse, etwa für Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen. Bei Arsen ist wichtig, ob Gesamtarsen oder anorganisches Arsen bestimmt wurde. Die Angaben sind nicht gleichbedeutend.

Mikrobiologie

Welche Keimgruppen und Krankheitserreger wurden untersucht? Keimzahlen brauchen eine Einheit, etwa KBE/g. Bei „nicht nachgewiesen“ gehört die untersuchte Probenmenge zur Aussage.

Pestizidrückstände

Ein Screening umfasst eine definierte Stoffliste. „Pestizide geprüft“ bedeutet nicht, dass alle möglichen Pestizide untersucht wurden. Stoffumfang und Bestimmungsgrenzen sind entscheidend.

Weitere Prüfungen nach Risiko

Je nach Rohstoff und Verfahren können beispielsweise Mykotoxine oder Lösungsmittelrückstände relevant sein. Deklariertes Ethanol in einem Flüssigextrakt ist dabei von unerwünschten Rückständen zu unterscheiden.

05 / Laborwerte übersetzen

Die Zahl ist nur
ein Teil der Information.

Ergebnis, Einheit, Methode und Bezugsbasis gehören zusammen. Das folgende Beispiel zeigt typische Angaben und ihre Grenzen.

Fiktives Beispiel · keine Produktanalyse
Vereinfachter Ausschnitt zur Erklärung. Die Zahlen sind keine Qualitätsziele oder gesetzlichen Höchstgehalte.
Parameter Ergebnis Richtig lesen
Beta-Glucane 25 g/100 g Trockenmasse 25 % der Trockenmasse, nicht automatisch 25 % des flüssigen Endprodukts.
Blei < 0,05 mg/kg Die Legende muss erklären, welche Grenze hier angegeben ist. Der Eintrag bedeutet nicht „bleifrei“.
Salmonellen Nicht nachgewiesen in 25 g Die Aussage gilt für die untersuchte Teilprobe und die verwendete Methode.
Ein vollständiger Bericht enthält zusätzlich unter anderem die Probenzuordnung und die angewandten Prüfverfahren.
LOD

Nachweisgrenze

Ab dieser Grenze lässt sich ein Stoff mit dem Verfahren nachweisen. „Nicht nachgewiesen“ bedeutet nicht, dass sicher kein einziges Molekül vorhanden ist.

LOQ

Bestimmungsgrenze

Ab dieser Grenze lässt sich die Menge mit definierter analytischer Zuverlässigkeit bestimmen. Unterhalb davon kann ein Stoff vorhanden sein, ohne zuverlässig quantifizierbar zu sein.

ND / n. n.

Legende beachten

Lies nach, wie das Labor die Abkürzung verwendet. Ohne zugehörige Nachweis- oder Bestimmungsgrenze bleibt die Aussage unvollständig.

Besonders wichtig bei Flüssigextrakten

25 % Trockenmasse.
Wie viel ist das pro ml?

Für diese Umrechnung brauchst du zusätzlich den Trockenmassegehalt des Flüssigextrakts.

Fiktives Beispiel: Eine Flüssigkeit enthält 20 mg Trockenmasse pro ml. In dieser Trockenmasse werden 25 % Beta-Glucane bestimmt.

20 mg/ml × 0,25
= 5 mg Beta-Glucane/ml

Beide Angaben müssen dieselbe Probe und eine passende Bezugsbasis betreffen. Das Beispiel ist keine Dosierungsempfehlung. Bei Gewichtsprozenten ist für die Umrechnung auf ml zusätzlich die Dichte erforderlich.

06 / Für deinen nächsten Vergleich

Deine COA-Checkliste.

Diese Punkte helfen dir, die Aussagekraft eines Zertifikats einzuschätzen und gezielt nachzufragen.

  • Produkt und Chargennummer passen zur Verpackung.
  • Rohstoff, Zwischenprodukt oder Endprodukt sind klar benannt.
  • Probenahme und Prüfzeitraum sind nachvollziehbar.
  • Labor, Berichtsnummer und Prüfmethoden sind angegeben.
  • Eine angegebene Akkreditierung passt zur konkreten Prüfung.
  • Einheiten und Bezugsbasis sind eindeutig.
  • Beta-Glucane und Gesamtpolysaccharide werden unterschieden.
  • Schadstoff- und Keimprüfungen sind konkret aufgeschlüsselt.
  • Nachweisgrenzen und Bewertungsmaßstäbe sind erklärt.
  • Der vollständige Originalbericht ist bei Bedarf verfügbar.
07 / Häufige Fragen

Was oft missverstanden wird.

Ist ein unabhängiges Labor automatisch akkreditiert?

Nein. Unabhängigkeit beschreibt die organisatorische Beziehung zum Anbieter. Eine Akkreditierung bestätigt Kompetenz für einen festgelegten Geltungsbereich. Beides ist getrennt zu prüfen.

Ist ein älteres Zertifikat grundsätzlich wertlos?

Nein. Zunächst muss es zur konkreten Charge passen. Es dokumentiert den Zustand der untersuchten Probe zum Prüfzeitpunkt. Ob die Eigenschaften über die gesamte Haltbarkeit stabil bleiben, ist eine zusätzliche Frage.

Belegt ein COA die richtige Pilzart?

Nur wenn eine geeignete Identitätsprüfung enthalten ist. Eine vom Auftraggeber angegebene Probenbezeichnung ist noch kein analytischer Identitätsnachweis. Die passende Prüfmethode hängt auch vom Verarbeitungsgrad ab.

Ist der höchste Beta-Glucanwert immer der beste?

Vergleiche sind erst sinnvoll, wenn Methode, Bezugsbasis und Produktform vergleichbar sind. Der Wert allein bewertet weder die gesamte Produktqualität noch die gesundheitliche Wirkung.

Wie wichtig ist die Messunsicherheit?

Kleine Unterschiede zwischen Ergebnissen müssen keine tatsächlichen Qualitätsunterschiede bedeuten. Nahe einer Bewertungsgrenze sind die Messunsicherheit und die Entscheidungsregel des Labors besonders wichtig.

Was bedeutet eine fehlende Prüfung?

Aus dem vorliegenden Dokument lässt sich dazu keine Aussage treffen. Das bedeutet weder automatisch „belastet“ noch „unbedenklich“. Frage nach, ob ein ergänzender Prüfbericht vorhanden ist.

GrayZone Labs · Wissen verständlich machen

Qualität beginnt
mit den richtigen Fragen.

Wer Charge, Probe, Methode und Bezugsbasis versteht, kann Laborwerte besser einordnen. Erfahre auch, wie die Herstellung die Zusammensetzung eines Pilzextrakts beeinflusst.

Quellen & Vertiefung

Nachvollziehbare Grundlagen.

  1. DAkkS: Prüf- und Kalibrierlabore nach DIN EN ISO/IEC 17025. Laborakkreditierung verstehen ↗
  2. Megazyme: Beta-Glucan Assay Kit für Hefe und Pilze. Methodische Informationen des Verfahrensanbieters. Messprinzip & Methodenhinweise ↗
  3. Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. Für konkrete Bewertungen die geltende Fassung und passende Produktkategorie beachten. Zur Verordnung ↗

Alle Rechen- und Tabellenbeispiele auf dieser Seite sind fiktiv. Sie stellen keine Analyse eines GrayZone-Labs-Produkts dar.